Mit dieser Bearbeitung Schillers einer Komödie des französischen Bühnenautors Picard steht eine echte Rarität auf unserem diesjährigen Spielplan. Hier verbinden sich Schillers grosses Gespür für politische und soziale Stimmungen mit feinem französischen Humor. Ein Mann will nach oben und das um jeden Preis. Selicour ist weder besonders begabt, gebildet, noch liebenswert, aber er hat die Fähigkeit, sich unentbehrlich zu machen und so seine Widersacher kalt zu stellen. Sein neuer Arbeitgeber, der etwas einfältige Minister Narbonne, hält ihn für einen wichtigen Kenner der Tages- und Weltpolitik, Narbonnes Mutter für einen kunstsinnigen Intellektuellen. Die Hochzeit mit der Tochter des Ministers und mit ihr eine gesicherte Stellung auf Lebenszeit scheinen für Selicour nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch auf seinem Weg zu den Futtertrögen der Macht bleiben enttäuschte Kollegen und verletzte Liebhaber zurück, und mehr als einer von ihnen wartet schon darauf, zurück zu schlagen, um den aufgeblasenen Aufsteiger auffliegen zu lassen. Friedrich Schiller beschäftigte sich oft als Übersetzer mit den Stücken anderer Autoren und schuf zum Beispiel eine eigene Bearbeitung von Shakespeares Macbeth. Der Parasit beruht auf einer Vorlage des französischen Dramatikers und Schauspielers Louis-Benoît Picard (1769-1828), der seine größten Erfolge während der Französischen Revolution feierte und sich in seinen Werken hauptsächlich mit den zeitgenössischen Sitten, besonders denen des Kleinbürgertums, beschäftigte.
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