Auf dem kürzesten Weg durch den dunklen Bauch der urbanen Wüste vertreibt sich die flüchtige Fahrgemeinschaft einer U-Bahn die dem Mobilitätsdiktat abgetrotzte, zwischen hier und dort still gestellte Zeit mit Lesen, Schwatzen oder stummem Mustern des Nachbarn. Ein wilder Mann steigt zu: voller Abscheu, Anklage und Ekel fällt er umstandslos gegen die Mitreisenden in eine unerhörte Philippika auf ihre Bedeutungslosigkeit, Hässlichkeit und Lächerlichkeit. Ein Weltmeister verbaler Bösartigkeit als negativer Zärtlichkeit. Ein in die postmoderne Großstadt entlaufener biblischer Eremit, ein später Nachfahre des hässlichen, großmäuligen Thersites aus Homers Ilias oder vielleicht ein Wiedergänger von Molières Misanthropen? Ein absoluter "Nihilist" - das literarische Pantheon absoluter Österreicher hat Nachwuchs bekommen. Der wilde Mann, das schwarze Gegenstück zu Handkes Kaspar - jenem unschuldigen Apostel der Unwissenheit, richtet das Zielfernrohr seiner bis zum Überdruss hochgerüsteten Weltweisheit auf die Zeitgenossen bis nach einer kurzen Strecke paradiesischer Einsamkeit im Waggon - die wilde Frau in seine Schusslinie tritt. In der Hauptrolle: Gert Voss.
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