Handlung
„Wilhelm II. sagte zu seinem Intendanten einmal: „Es tut mir leid, dass Strauss diese ‚Salome’ komponiert hat, ich habe ihn sonst sehr gern, aber er wird sich damit furchtbar schaden.“ Von diesem Schaden konnte ich mir die Garmischer Villa bauen!“ Die feine Ironie ist unüberhörbar in den Erinnerungen Richard Strauss’ an die Reaktion des deutschen Kaisers auf die Berliner Aufführung der „Salome“.
Kaum war die „Salome“ in der Welt, zog sie durch die Welt: Nach der triumphalen Uraufführung am 9. Dezember 1905 an der Dresdner Hofoper unter der Leitung Ernst von Schuchs, mit Maria Wittich (Salome), Karel Burian (Karl Burrian, Herodes) und Karl Perron (Jochanaan), fand sich das musikalische Drama in Kürze auf den Bühnen des In- und Auslands. Das Publikum reagierte zwischen Euphorie und Denunziation. Auch in Berlin. Die wohlverpackte Kritik des deutschen Kaisers war noch sanftmütig im Vergleich zu den massiven Widerständen gegen das Werk aus religiösen Vorbehalten, Prüderie und Intoleranz und im Vergleich zu Aufführungsverboten in New York und Wien.
Was war es, das die verschiedensten Gemüter derartig erregt auf die geistigen Barrikaden trieb? Es waren sowohl der Stoff als auch die Musik und die Opernform. Die Sittsamen stürzten spätestens bei Salomes Schleiertanz ins blanke Entsetzen: Die personifizierte Sünde lasterhafter Weiblichkeit ließ nach und nach ihre sieben Hüllen fallen. Zur sittlichen Entrüstung gesellten sich christliche Paradigmen. Nach der Überlieferung der Geschichte durch die Bibel fordert Salome auf Geheiß der Mutter Herodias vom Stiefvater Herodes den Kopf des Propheten Jochanaan. Jetzt handelt Salome nach eigenem freien Willen, geleitet von Begierde, Leidenschaft und Rache. Sie begehrt Jochanaan. Der verweigerte sich ihr. Ihre Lust war nicht die seine. Nun, nachdem Salome mit ihrem Tanz den Willen des Herodes wie Wachs in ihren Händen formte, fordert sie das Haupt des Propheten. In den Kuss, den sie schließlich auf die Lippen des abgeschlagenen Hauptes drückt, drängt sich die musikalisch vorgezeichnete Katastrophe. „Und das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes.“
Richard Strauss verdammt nicht etwa diese Salome, er ergreift damit auch nicht Partei für die Moral der Gesellschaft, sondern er profiliert die Personen der Handlung psychologisch und expressiv bis zum Bersten.
Der Komponist griff mit dem Libretto in die Schatztruhe der Weltliteratur, nach dem gleichnamigen Dramolet des englischen Dichters Oscar Wilde (1893). Und es gelang ihm mit diesem musikalischen Drama, der Weltliteratur der Dichter die Weltliteratur der Komponisten ebenbürtig an die Seite zu stellen.
Salome wurde durch die Mythologie, Bild-, Dicht- und Tonkunst zu einer der berühmtesten Frauengestalten – aus der Feder der Männer. Verborgene Ängste vor dem Teufel im Weib, vor Entmannung durch zuviel Sinnlichkeit und Lust auf Körper? „Man töte dieses Weib!“, befiehlt Herodes.
Zu den berühmtesten Interpretinnen der Titelrolle gehört die mit Dresdens Oper und Publikum aufs Engste verbundene Christel Goltz.
Ein Zeichen für die Welt Wenn Katrin Brack über ihre Arbeit spricht, tun sich Welten auf, ohne daß sie viele Worte dafür
braucht. Für das Bühnenbild zu "Kampf des Negers und der Hunde" von Koltès, das sie vor zwei Jahren
für die Berliner Volksbühne gemacht hat (Regie: Dimiter Gotscheff), ließ sie Konfetti regnen. Mehr
nicht. ....