Mit dieser ersten Open-Air-Produktion von RambaZamba, die sich
speziell, aber nicht nur an Kinder richtet, eröffnet die
Gruppe um die Regisseurin Gisela Höhne ihr Alice-Projekt.
Alice, ein kluges, tanzwütiges Mädchen hat versucht,
alle Regeln zu lernen, die ihr die Erwachsenenwelt öffnen. Sie
gerät auf der Suche nach ihren Eltern jedoch ständig
in neue feindliche Situationen, deren Regeln sie nicht durchschaut. Die
Welt und die Figuren verwandeln sich fortwährend. Ihre Neugier
treibt sie in Begegnungen mit wild gewordenen abgründigen
Figuren, die alle Regeln ad absurdum führen, aber auch mit
einer bezaubernden Verkörperung ihrer Wünsche und
Nöte, der Raupe. Alice droht die Höchststrafe: Kopf
ab, obwohl sie keinen Prozess und kein Verbrechen hinter sich hat. Ganz
wie in der Politik. Warum eigentlich nicht? Heißt Kopf ab
nicht auch, auf seinen Bauch, auf sich selbst zu hören. Und
schon erhalten viele Dinge wieder einen Sinn.
In dem kleinen Stück geht es um die Möglichkeit
spielerischen, aber auch ernsthaften Umgangs mit Regeln und um die
Möglichkeit, alle Dinge auch mal auf den Kopf zu stellen.
Team: Inszenierung: Gisela Höhne
Choreographie/ Mitarbeit Inszenierung:
Julie Stanzak
Bühne:Angelika Dubufé
Musik:Bianca Tänzer, M.Ulfik, Jacob Höhne
Kostüm/Maske/Requisite: Beatrix Brandler
Entwurf für Segel und Schmetterling: Moritz Höhne
Für großzügige Unterstützung
danken wir:
Onkel Phillipps Spielzeugwerkstatt
Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin
Presse:
Beim großen Plüschtierfressen RambaZamba macht
erstmals Freilufttheater Zwei oberschlaue Hasen mit Überbiss
und Knickohren schubsen sich gegenseitig die eiserne Wendeltreppe
hinab. Auf den Rücken tragen sie Ranzen voller Zettel, auf
denen stehen Regeln und Termine. Die sind alle für Alice, die
aus einem der ins Bühnenpodest eingelassenen
Schlupflöcher auftaucht, (Bühne Angelika Dubufe). Die
Hasen bombardieren das Mädchen mit klugen Sprüchen.
Alice wird ganz schwindlig von den vielen Sprichwörtern, und
weil aus den Löchern Spiegeleier, Schweine,
Brotbüchsen winken, versteht sie "Morgenstund hat Wurst im
Mund" und fragt sich ernsthaft, ob ihre Eltern jetzt Hasen sind. Die
Besserwisser hüpfen davon. Alice macht sich auf den Weg, sie
zu suchen und die Regeln zu lernen. Unter buntem Riesensegel, bewegtem
Himmel und der Regie von Gisela Höhne führt
RambaZamba, das Theater des Sonnenuhr e.V., sein Stück "Alice
auf Kaninchenjagd" im Hof der Kulturbrauerei auf. Das
einstündige Vergnügen orientiert sich an den
Geschichten von Lewis Carroll und ist für Kinder ab sechs und
Erwachsene gedacht. Es bildet den Auftakt zum Alice-Projekt, dessen
zweiter Teil "Alice unter Wölfen" Anfang 2006 ebenfalls unter
Gisela Höhnes Regie stattfinden soll. Choreografische
Großlösungen (Julie Stanzak), Zaubertrick-Einlagen,
fantasieprächtige Kostüme (Beatrix Brandler) und der
Spieleifer des Ensembles sorgen dafür, dass sich das Publikum
keinen Deut darum kümmert, dass viele der Darsteller behindert
sind. Auf ihrer Reise gerät Alice (Juliana Götze) in
ein seltsames Königreich. Das Königspaar streitet
sich andauernd darüber, wer über die
Mixgetränkegläser herrscht und wer über alle
Untertassen. Und wenn ihnen was nicht passt, rufen sie einfach "Kopf
ab!". Die Köchin schlachtet einen Kuschelhasen und
schmeißt mit Möhren. Der Hofstaat marschiert zum
Kochlöffelballett auf, schmatzt beim großen
Plüschtierfressen, aber Alice soll erst arbeiten, bevor sie
essen darf. Alice strampelt sich mit ausdrucksheftigem,
tänzerischem Körpereinsatz durch die Abenteuer. Die
Zweifel aber wachsen, die Gewissheiten schwanken. Zum Weintrinken bin
ich zu klein? Zum Trickfilmgucken zu groß?", fragt sie sich
und kämpft sich tapfer weiter durch eine zunehmend
rätselhafte Welt. Sie trifft auf eine genusssüchtige
grüne Raupe, die mit den Patschfüßen
baumelt. In aller Seelenruhe frisst die Raupe das ganze Papier, auf dem
die Regeln stehen, und sagt, das schmecke saugut. Dann verwandelt sie
sich in einen Schmetterling. Dessen Flügel sind so bunt wie
das Segel über den Zuschauerköpfen. Die
Flügelschläge reichen bis ins Publikum, das sich beim
Applaus mit den Schauspielern um die Wette freut.
Berliner Zeitung vom 08.06.2005, Ressort:Feuilleton, Katja Oskamp
Moritz sitzt zufrieden in der Mitte der Bühne. Er streckt die
Beine von sich, grinst und schmatzt, klemmt sich die mit
Sprüchen und Weisheiten beschriebenen Seiten zwischen die
Lippen, reißt Papierfetzen ab, spuckt sie mit Genuss durch
die Gegend. Moritz spielt eine Raupe, und eine Raupe frisst bekanntlich
Blätter. Obwohl es bloß eine Probe für ein
Gastspiel ist, verkörpert Moritz die Raupe perfekt. Die
anderen Schauspieler lümmeln, dösen, dämmern
an den Rändern der Bühne herum. Mit "Alice auf
Kaninchenjagd", einem Theaterabend über Sinn und Unsinn von
Regeln, wird RambaZamba nach Mainz fahren. "Ich bin die
Königin aller Mokkatassen!" röhrt Patricia, oder
"Kopf ab!", wenn der Königin etwas nicht passt. Patricia
schafft es nicht in die Hocke, hat aber eine Stimme wie ein
Marktschreier. "Meine Schauspieler markieren nie, die geben immer
alles.", sagt Gisela Höhne. Patricia fasst sich andauernd mit
der Hand an den Mund. Was los sei, will Gisela Höhne wissen.
Meine Lippe ist wund, sagt Patricia. Hast wohl zu viel
geküsst?, fragt Gisela Höhne. Die Schauspieler
wiehern und lachen sich schlapp. Pünktlich und putzmunter
schiebt Anke den Kinderwagen an der Rampe hin und her. Anke will nie
sprechen, dafür aber singen. Sie tut es, klar und
schön. René pirscht sich auf Zehenspitzen an.
Gisela Höhne lobt ihn. Vor fünf, sechs Jahren noch
sei das unmöglich gewesen, erklärt sie,
René habe sich partout nicht bewegen wollen, seine
Hände seien, wenn er sie über den Kopf heben sollte,
maximal auf Höhe der Ohren eingerastet. Wie ein Schlaufuchs
blinzelt René ins imaginäre Publikum, greift
lautlos und in hohem Bogen in die Kissen, stibitzt blitzschnell das
Plüschschwein aus Ankes Kinderwagen und flitzt davon. Nach
drei Stunden ist die Probe vorbei. Patricia, Anke, René und
die anderen beherrschen das Stück aus dem Effeff. Sie ziehen
sich um und verabreden sich für übermorgen auf dem
Ostbahnhof. RambaZamba geht gern auf Reisen, diesmal nach Mainz. Die
Truppe zuckelt durch die Weltgeschichte und packt im Zug die Stullen
aus. Früher hatten sie Rucksäcke dabei. "Jetzt sind
diese Rollköfferchen in Mode gekommen. Die haben alle so
eins." Auf der Mainzer Bühne wird Moritz als Raupe
Blätter fressen, am Schlagzeug sitzen und die akustischen
Akzente setzen. Er wird ganz in grün auftreten, grüne
Gummifüße, grüne Flickenkleider,
grünes Gesicht, und auf dem Kopf eine fulminante Hutkreation
mit Zierrasen, Gartenzäunchen, Windmühle und einem
Schild: Betreten verboten! Berliner Zeitung, 06.10.2005, Feuilleton,
Katja Oskamp
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