High noon. Elternabend in der Klasse 4b. In drei Monaten gibt es die Zeugnisse,
nach denen sich die weitere Schullaufbahn der Kinder zwischen Gymnasium, Realoder
Hauptschule entscheidet. Eine Entscheidung, die die Eltern der 4b nicht tatenlos
abwarten werden. Sie haben ihr Urteil gefällt und tragen ein Misstrauensvotum in
der Tasche: Frau Müller, die Lehrerin, muss weg, ehe sie die Zukunft ihrer Kinder
vernichtet. Denn nach drei fast glücklichen Grundschuljahren haben sich die Noten
der Klasse dramatisch verschlechtert: Janine hat Angst vor der Schule, der neu
hinzugekommene Lukas findet keine Freunde in der Klasse und die Kinder berichten
zu Hause von einer Lehrerin, die vor der Klasse weint und früher gehen muss, um
ihre Therapie wahrzunehmen – und das in einem Halbjahr »von dem das Wohl und
Fortkommen« der Kinder abhängt. Da kann man doch nur das pädagogische
Konzept bezweifeln, wenn es überhaupt eins gibt. Doch Frau Müller, Pädagogin aus
Leidenschaft, mit Prinzipien und 19 Jahren Berufserfahrung, schlägt zurück!
»Am Elternabend zeigt sich, wie solidarisch eine Gesellschaft wirklich ist und wie sie
mit Erfolg und Niederlagen umgeht. Da werden keine Gefangenen gemacht und
keine Konzessionen«, schreibt Lutz Hübner über seine 2010 am Staatsschauspiel
Dresden uraufgeführte Komödie. Als präziser Beobachter von Gesellschaft und
Gegenwart spitzt der Autor hier lustvoll die Situation zu. Schließlich hat die Leistungsgesellschaft
längst ihre Schneisen durch alle Lebensbereiche geschlagen. Und
so ist, als sich die Wogen im Klassenzimmer wieder glätten, der Abend auch noch
lange nicht vorüber.
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