Heiner Müller. Neufassung einer Produktion des Deutschen Theaters Berlin
Sparte
Schauspiel
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Quelle: www.schauspielfrankfurt.de
Inhalt
Heiner Müllers 1977 entstandener Text »Die
Hamletmaschine« basiert auf seiner jahrzehntelangen
Auseinandersetzung mit Shakespeare. Parallel zu seiner
Übersetzung von »Hamlet« für eine
Inszenierung von Benno Besson am Deutschen Theater schrieb er diesen
fremdartigen und rätselhaften Text. Er nimmt Figuren und
Schlüsselszenen aus Shakespeares Stück auf,
verzichtet aber beinahe ganz auf Handlung und Dialog. In einem
alptraumartigen Szenarium in fünf auch formal
unterschiedlichen Textfragmenten erscheinen u. a. Hamlet bzw. ein
Schauspieler, der Hamlet spielt, und Ophelia als gespenstische
Widergänger realer historischer Personen. Unterschiedliche und
gegensätzliche kollektive Erfahrungen prallen aufeinander,
viele Bezüge zu historischen Ereignissen der
europäischen Geschichte und der Geschichte des Kommunismus
nach dem Zweiten Weltkrieg stellen sich her. An der Figur des Hamlet
interessierte Müller »das Versagen von
Intellektuellen in bestimmten historischen Phasen, das vielleicht
notwendige Versagen von Intellektuellen, ein stellvertretendes
Versagen«. Die innere Zerrissenheit des Hamletdarstellers,
der sich bei dem Aufstand in Budapest 1956 »auf beiden Seiten
der Front, zwischen den Fronten, darüber« sieht,
mündet im Scheitern des Autors beim Schreiben eines
Shakespeareschen Dramas und in dem Versuch der Revolte von Ophelia. Die
Frontlinie verläuft nicht mehr zwischen Ost und West, sondern
zwischen »den Metropolen der Welt« und den
kolonialisierten Ländern.
Dimiter Gotscheff, der sich oftmals mit Texten Heiner Müllers
auseinandergesetzt hat, wird den 2007 am Deutschen Theater Berlin
entstandenen Abend »Die Hamletmaschine«
für Frankfurt überarbeiten. Der aus Bulgarien
stammende Gotscheff arbeitet seit Mitte der 1980er Jahre an vielen
deutschsprachigen Bühnen von Wien bis Hamburg. Seine
Inszenierungen waren regelmäßig beim Berliner
Theatertreffen zu sehen. Wiederholt wurden seine Arbeiten auch als
»Inszenierung des Jahres« bei der Kritikerumfrage
der Zeitschrift Theater heute ausgezeichnet. Presse Indem Gotscheff sich in Müllers Text nicht
identifikatorisch aalt, sondern ihn in lauter
übergroßen, wie Zitate wirkenden Gesten
vorführt, (...) gelingt es ihm, das zentnerschwere Pathos
aufzubrechen, ohne in billige Ironie abzurutschen.
Süddeutsche Zeitung
Gotscheff öffnet Denkräume. Die Konzentration, die er
beschwört, ist ein hoher Wert. Das macht sein Theater zu einer
Besonderheit.
Der Tagesspiegel
Gotscheff sitzt der Text in jeder Faser des Körpers. Dieser
Mann ist, was er spielt und spielt also nicht, sondern verwandelt sich
in den Text hinein. Fast wie ein Kind.
Berliner Zeitung
Die dritte Hamletmaschinistin ist Valery Tscheplanowa als Ophelia. Sie
repräsentiert die beiden Frauentypen, die es bei
Müller ausschließlich gibt: Die sexuell begehrte
Beute, um die Männer Krieg führen, und das Fluchweib.
Tscheplanowa macht das virtuos.
Die Welt
Von einem mächtigen radikaltheatralischen Furor ist der
Auftritt von Valery Tscheplanowa als Ophelia geprägt. Den Kopf
in den Nacken gelegt, brüllt sie ihre Stakkatorede um ein
Nichteinverständnis der Frau ins männliche Prinzip in
ein über ihrem Kopf hängendes Mikrofon. Das
Arrangement aus Müllers Sprache, dem installativen Raum und
den schwelbrandhaft bedrohlichen Ambientsounds von Bert Wrede ist
fesselnd. Die Kombination der Gegensätze, einesteils eine
hermetische Geschlossenheit der Bühnenkomposition, zugleich
eine Direktheit in der Ansprache des Publikums, schafft eine
unvernebelte Magie.
Der Abend bricht in einem Augenblick ab, in dem alles gesagt scheint
und doch so viel offen bleibt. In einer hellsichtigen Schwebe, in der
sich Dimiter Gotscheff mit Heiner Müller trifft.
Frankfurter Rundschau
Es ist eine sehr persönliche Regie. (…) Der
Charakter einer Art Gedichtrezitation folgt aus der
zurückhaltenden Inszenierung als Soli-Folge von hohem Respekt
für den Text.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Es ist schon eine besondere Erfahrung, diesem Mann bei seinem Spiel
zuzusehen. Im dunklen Anzug, der ihn umschlackert wie ein Mantel,
füllt er die Bühne mit seiner reinen Anwesenheit.
Verrückt im besten Wortsinne steht er vor dem Publikum und
spricht, flötet, wispert, mal mit Fistelstimme, mal mit
Raucherhusten im Hals. Und wenn man es nicht besser wüsste,
könnte man ihn mit seinen langen Haaren und den weichen
Gesichtszügen auch für ein altes bulgarisches
Mütterlein halten, das die Welt verflucht und dennoch um ihr
Seelenheil bangt.
Wiesbadener Kurier
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