Text Frida Kahlo In spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Sparte
Schauspiel
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Foto: Klaus Fröhlich
Quelle: Quelle: www.theaterheidelberg.de
Inhalt
Die mexikanische Malerin Frida Kahlo fasziniert nicht nur mit ihren
Bildern. Auch als starke Persönlichkeit, die den lebenslangen
schweren Folgen eines Verkehrsunfalls immer wieder Lebensmut und
künstlerische Kreativität abtrotzte, ist sie
mythenumrankt. 2002 wurde ihr Nachlass veröffentlicht. Aus den
Briefen und Tagebuchnotizen hat die international renommierte
mexikanische Komponistin Marcela Rodríguez eine Kammeroper
geschaffen, die das Leben dieser beeindruckenden Frau facettenreich
ausleuchtet: Kahlos politisches Engagement für ein freieres,
gerechteres Mexiko und ihr Verhältnis zu Leo Trotzki, den sie
im Exil versteckte, ihr kulturelles Umfeld und die Bekanntschaft mit
dem europäischen Surrealistenkreis um André Breton,
die aufreibende Liebe zu ihrem Mann Diego Rivera und ihre zahlreichen
Affären. Dabei legen die Selbstzeugnisse einen Blick frei auf
Kahlos Reflexion des künstlerischen Schaffens, das hier allem
voran eine Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit
ist und sich speist aus der Ambivalenz zwischen Schmerz, Verzweiflung,
Einsamkeit und einer unbändigen Willenskraft, Sinnlichkeit und
Lebenslust. Presse
Die Komponistin wollte kein schillerndes Lebenskaleidoskop dieser heute
sehr kommerziell vermarkteten Kunstikone ihrer Heimat abliefern (siehe
Interview vom 26. Oktober), und so bietet ihre Kammeroper, die jetzt im
Zwinger1 des Heidelberger Theaters uraufgeführt wurde, kein
touristisches Kahlo-Sight-seeing. Etwa ein Dutzend Szenen sind in loser
Folge aneinandergefügt, einer
„Nummernoper“ ähnlich. Sie werfen auf der
Grundlage persönlicher Briefe und Tagebucheintragungen
einzelne Schlaglichter auf unterschiedlichste Lebensstationen.
Die Regisseurin Johanna Wehner widerstand der Versuchung, ein
bildreiches Panoptikum aus dem Stück zu machen. (…)
Die Komponistin stellt die Abfolge der Szenen frei. Melanie
Fürst (Bühne) hat eine variable Szene geschaffen mit
verschiebbaren Stellwänden, die relativ abstrahierte Details
aus Kahlos Bildern zeigen. (…)
Die Sopranistin Sybille Witkowski formte die Rolle der Frida Kahlo
sängerisch zu einem dichten Porträt. Sie
überzeugte durch saubere Stimmführung und
präzise Höhen, wusste aber auch die
häufigen, humorvoll-sarkastischen Töne
(„Nichts gilt mehr als das Lachen!“) gut zu
artikulieren. (…)
Die musikalische Leitung von Heidelbergs neuer Kapellmeisterin Mirga
Gražinytė geriet zum Ereignis dieser Uraufführungsproduktion:
Präzise hielt sie die Balance zwischen Strenge und Freiheit,
zwischen emphatischem Gefühl und musikalischer
Rationalität, zwischen plastischer Klangmalerei und ironisch
gebrochenem Ausdruck. Hervorragend koordinierte Gražinytė
Instrumentalensemble und die Bühne im Vordergrund. Die
Mitglieder des Philharmonischen Orchesters spielten konzentriert und
klangvoll. Starker Beifall für alle Beteiligten und die
anwesende Komponistin.
Rhein-Neckar-Zeitung, Matthias Roth, 28.10.2011
Das Theater Heidelberg geht dieser Frage mit der Kammeroper „
Las Cartas de Frida“ (Die Briefe der Frida) nach, wenn die
mexikanische Komponistin Marcela Rodríguez unbekannte Briefe
und Tagebuchnotizen in 13 Szenen zu einem Kaleidoskop
zusammenfügt, das vielerlei Facetten im Seelenleben der Frida
Kahlo aufdecken will. Die Uraufführung dieser Kammeroper
für Singstimme, Schauspielerin (als Alter Ego) und
Kammerorchester geriet im Heidelberger Zwinger zu einer dinglichen
Sichtung, wie Kunst sich einem Menschen nähern
könnte, wenn sie ihn zu entziffern versucht. Szenisch (Regie:
Johanna Wehner); Bühne: Melanie Fürst;
Kostüme: Miriam Draxl) gelingt das durch Spaltung der
Persönlichkeit. Die Sängerin (großartig:
Sopranistin Sybille Witkowski), durchstreift wie ein Schatten ihrer
selbst die mit Bildfragmenten durchsetzte Bühne. Sie begegnet,
mal abwehrend, dann wieder begehrend, ihrem Spiegelbild, der hellen
Lichtgestalt der Hoffnung (Karen Dahmen spielt sie schillernd und
mehrdimensional). (…)
Die Dirigentin machte einen souveränen Eindruck, steuerte das
perfekt agierende Kammerorchester brillant durch die Partitur. Die neue
Kapellmeisterin Mirga Grazinyté hatte einen hervorragenden
Einstand. (…)
Das Premierenpublikum war berührt und begeistert.
Mannheimer Morgen, Eckhard Britsch, 28.10.2011
Wer als Künstler ein Auftragswerk abzuliefern hat, tut sich
oft schwer. Denn Erwartungshaltungen seitens der Auftragsgeber schlagen
sich irgendwo im Gehirn nieder und hemmen manchmal den Gedankenfluss.
Bei der aus Mexiko stammenden Komponistin Marcela Rodriguez bestand
diese Gefahr ausweislich ihrer Musik für die Kammeroper Las
Cartas de Frida (Die Briefe der Frida) offenbar nicht, denn ihre
Eingebungen wirken frisch und unverbraucht, griffig und dem Sujet
angemessen. (…)
Der Kunstgriff, der Sängerin – großartig
die junge Sopranistin Sybille Witkowski in Stimme, Klangvielfalt,
Ausdruck und Spiel – ein Alter Ego zuzuordnen, scheint zuerst
banal. Die eine schwarz und schmerzgebeugt, die andere hell und licht
wie ein Seelen-Engel als träumerisch-ideale Frida, das wirkt
doch allzu einfach. Aber: Es ist wirkungsvoll, zumal mit der
Schauspielerin Karen Dahmen sehr gut besetzt. (…) Marcela
Rodriguez stattet die Szenen mit völlig unterschiedlichen,
dennoch genau aufeinander abgestimmten Valeurs aus. Da prallen raue
Intervallreibungen auf reizvolle Folklore-Anklänge, und nach
innen gerichtete Lyrismen auf heftige Implosionen, als ob eine Welt
zusammenstürzen wollte. Dabei ist es doch
„nur“ ein Kammerensemble der Heidelberger
Philharmoniker, das die Theater-Experimentierstätte
„Zwinger“ so pulsierend erfüllt. Das aber
scheint wesentlich das Verdienst der jungen, neu in Heidelberg
engagierten Kapellmeisterin Mirga Gražinytė zu sein, die
dermaßen punktgenau und federnd zugleich schlägt,
dass die Musik in ihrer Unmittelbarkeit aufblüht und ihre
Hintergründigkeit offenbart.
Die Premierenbesucher waren von dieser Uraufführung
überzeugt, ja begeistert.
opernnetz.de, Eckhard Britsch, Oktober 2011
Als grandiose Malerin und als Ikone der Frauenbewegung kennt man Frida
Kahlo hierzulande, nun steht sie erstmals im Mittelpunkt eines
Musiktheaterwerks, das Marcela Rodríguez (Jahrgang 1951)
komponiert hat. Zu den Lehrmeistern der Mexikanerin gehörten
der Kubaner Leo Brouwer, vor allem aber ihre beiden Landsleute
Jesús Estrada und Mario Lavista, allesamt nicht unbedingt
Vertreter eines nationalromantischen Stils. So schöpft denn
die Musik der einstündigen Kammeroper am Heidelberger Theater
auch weniger aus der vielfältigen Folklore ihrer Heimat, sie
ist vielmehr ein sehr elegantes Gespinst, das die Musiken des alten
Hispanien mit zeitgenössischen Klängen verbindet.
Gesungen wird die Titelpartie von der Sopranistin Sybille Witkowski,
und die ist nicht nur eine starke Interpretin der in Noten gesetzten
Brieftexte der Kahlo, sie verkörpert auch überzeugend
die zur Schau gestellte Verletzlichkeit, den Ehrgeiz und den
spöttischen Witz der Malerin. (…)
Für das Kammerspiel hat Melanie Fürst eine karge
Bühne eingerichtet und dafür Ausschnitte aus Bildern
der Malerin genutzt. Aufgezogen auf transparente Rahmen lassen sich
diese „ Kulissen“ leicht verschieben, werden immer
wieder neu zusammengesetzt. Den Hintergrund füllt ein Bild,
das die Malerin in ihrer Lieblingspose zeigt, die schwarzen Haare
straff zurückgekämmt und streng geschminkt. Ganz die
„Dornenkönigin“, zu der sie sich in ihrer
Kunst stilisiert hat. Mit auf der Bühne sitzt auch das
Kammerorchester, das unter der Leitung von Mirga Grazinyte passgenau
zur Stimme musiziert: vier Streicher, drei Bläser und ein
Vibraphon.
Badische Zeitung, Gerd Döring, 31.10.2011
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