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Geburtlichkeit und Sein zum Tode (UA)

 
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Hessisches Landestheater Marburg   Google-News
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Spielzeit2011/2012 
Untertitelvon Fanny Brunner und Eva Bormann  
SparteSchauspiel 
Foto
Quelle: www.theater-marburg.com Foto: Ramon Haindl  
InhaltWer heute die philosophischen Zentren aufsucht, der wird auf seinem Weg nach Nordamerika in Deutschland nur einen Zwischenstopp einlegen – vielleicht in Berlin, Tübingen oder München. Aber die philosophischen Schauplätze fanden sich nicht immer im kalifornischen Berkeley oder Stanford. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts waren die Zentren München, Göttingen, Berlin, Freiburg – und Marburg. Inmitten einer durch die militärische Mobilmachung des Ersten Weltkrieges, die „Materialschlachten“, die Kunst der klassischen Moderne, den antiwissenschaftlichen George-Kreis und eine antimoderne Haltung geprägten Zeit war Marburg ein friedliches Nest. Ein Idyll. Eine historische Falte. Und trotzdem sollte sich diese Enklave der Stille in ein geistiges Zentrum der Moderne verwandeln. Fast schlagartig etablierte sich Marburg als ein intellektueller Mittelpunkt der Weimarer Republik, wo einige herausragende Wissenschaftler Deutschlands lehrten. Den Kern machte unbestritten die Philosophie mit ihrem Versuch einer Entwicklung neuer Leitideen aus. Vornehmlich lässt sich dieser Kern mit den Stichworten „Marburger Neukantianismus “ und vor allen Dingen „Martin Heidegger“ benennen, die wichtige philosophische Knotenpunkte im wissenschaftlichen Netz Marburgs der Zwanzigerjahre markieren.
(Christian Lotz, Marburger UniJournal 3/1999)

Gibt es eine Provinzwahrheit?
von Eva Bormann
Im Wintersemester 1924 verlässt die 18-jährige Hannah Arendt Königsberg und nimmt ein Studium an der Universität Marburg auf. Neben Evangelischer Theologie und Griechisch besucht sie Vorlesungen der Philosophie bei Nicolai Hartmann und Martin Heidegger. Dem jungen Heidegger, seit 1923 außerordentlicher Professor in Marburg, war der Ruf vorausgeeilt, dass sich bei ihm das Denken lernen ließe. Statt sich konventionell der Schulphilosophie zuzuwenden, ließ er die alten Texte in ganz neuer Weise lebendig werden. Mit seiner Existenzphilosophie berührte er in zunehmendem Maße die Frage nach dem Sinn von Sein. Ihm galt als unabdingbar, dass das Sein aus der Zeit heraus zu verstehen sei.
Die Begegnung zwischen Arendt und Heidegger bleibt nicht ohne Folgen. Berichte besagen, dass Arendt sich in ihrem Auftreten eine eigentümliche Mischung aus Schüchternheit und Selbstbewusstsein anmerken ließ. Sie war sich ihrer jüdischen Herkunft und der antisemitischen Stimmung an deutschen Hochschulen bewusst. Heidegger verehrt diese junge Studentin. Ihre Widersprüchlichkeit zwischen philosophischer Urteilskraft und scheuer Zurückhaltung gegenüber seinem Renommee als Philosophieprofessor imponiert ihm. Sie erwidert seine Zuneigung, die jedoch von der politischen Realität in Deutschland eingeholt wird. Die Nähe zueinander bleibt von der zunehmenden Distanz im äußeren Leben nicht länger unberührt. Im Jahr 1933 trennen sich ihre Wege. Arendt folgt Günter Anders ins Exil nach Paris und beginnt, erste Beiträge zu veröffentlichen. Heidegger begegnet sie erst 1949 wieder. Während Arendt sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der politischen Philosophie hervortut und durch ihre Arbeit über den Eichmann-Prozess eine internationale Kontroverse anstößt, gerät Heideggers Person, ehemals bekennendes NSDAP-Mitglied, in die Kritik der Öffentlichkeit. Seine Position innerhalb der Philosophie bleibt davon nicht unberührt, dennoch markiert sein Denken innerhalb der Philosophiegeschichte eine bedeutsame Kehrtwende.
Wie lässt sich Heidegger heute lesen? Oder, wie der zeitgenössische Philosoph Peter Sloterdijk mit Blick auf Heideggers Denken innerhalb der Ideen- und Problemgeschichte letzthin fragte: Wenn die westliche Philosophie aus dem Geist der Polis entstand, wie steht es dann um die Philosophietauglichkeit eines Mannes, der aus seiner trotzigen Anhänglichkeit an die ländliche Welt nie ein Geheimnis gemacht hat? Gibt es eine Provinzwahrheit, von der die weltoffene Stadt nichts weiß? Gibt es eine Feldweg- und Hüttenwahrheit, die imstande wäre, die Universitäten mitsamt ihren Hochsprachen und weltmächtigen Diskursen zu unterhöhlen? Von wo her redet dieser seltsame Professor, wenn er den Anspruch erhebt, über die Geschichte abendländischer Metaphysik hinauszufragen? (Peter Sloterdijk, Nicht gerettet – Versuche nach Heidegger)
Abgesehen von Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“ von 1927 bietet der in den frühen 1980er Jahren bekannt gewordene Briefwechsel Aufschluss über Denkbewegungen und das intime Gespräch zwischen Heidegger und Arendt. Neben Passagen aus einzelnen Briefen und zentralen Werken beider werden auch Schriften von Zeitgenossen und befreundeten Kollegen in den fiktiven Dialog zwischen philosophischem Denken und der privaten Korrespondenz Arendts und Heideggers treten.

Team
Regie Fanny Brunner
Dramaturgie Eva Bormann
 
Premieredatum20.05.2012 
Ab Alter

Programm Macher:

NameFunktionSpielzeit
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Detaildaten Programm Autoren:

NameAutorenschaftSpielzeit
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Detaildaten Programm Personen :

NameRolleSpielzeit
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Rezensionen Programm :

Rezension
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