Aus Liebe wird er zum Dieb, aus Hass auf den Nebenbuhler zum
Mörder. Friedrich Schillers Erzählung vom
gezeichneten Sonnenwirt, den die Umstände an den Rand der
Gesellschaft bis hin zum Tode führen, gilt als Meisterwerk
objektiver Berichterstattung. Der erste Krimi, der den Menschen als
Individuum und Opfer der Gesellschaft betrachtete, besticht auch in der
heutigen Zeit durch seine messerscharfe Seelenanalyse. Ist die Frage
nach moralischen Werten, die Suche nach der Ursache des Verbrechens
heute noch spannend? Oder sind wir wirklich, wie Schiller bereits 1786
kritisierte, nur noch am Unterhaltungswert interessiert?
Das Team um Regisseur Bernd Plöger lässt hier
Experten aus unterschiedlichen Bereichen zu Wort kommen. Juristen,
Gefängnispfarrer und Wissenschaftler definieren das Wort
Schuld, und ordnen die Frage nach dem Gewissen in den heutigen Diskurs
ein. Zugleich wird deutlich wie nach Schillers sprachlich brilliant
ausgearbeitete Innenschau dem stilisierten Verhaltensmuster eines
comichaften Superschurken ähnelt. Mittels dieser Reibung
zwischen Klassik und (Post-)Moderne wird ein Abend im Hier und Heute
verankert, dessen Fazit die Allgemeingültigkeit des
gesellschaftsrelevanten Themas Schuld qua Gesetz ist.
Regie: Bernd Plöger
Ausstattung: Dietmar Teßmann
Dramaturgie: Felizitas Kleine
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