Große tragische Oper in fünf Akten von Richard Wagner - nach dem Roman "Rienzi, or The Last of the Tribunes" von Edward George Bulwer-Lytton
In deutscher Sprache mit Übertiteln
Rom wird beherrscht von den Partikularinteressen und Clan-Kämpfen verfeindeter Adelsfamilien. An der Spitze der Bürgerpartei kämpft der charismatische Idealist Rienzi für Freiheit und Gerechtigkeit, Größe und Frieden. Er genießt das Vertrauen der Kirche und des Volkes. Die Königswürde lehnt er zwar ab, übernimmt aber mit »großen Gedanken im Kopf und im Herzen« [Wagner] das Amt des Volkstribuns. Rom, das er liebt wie eine Braut, will er den inneren Frieden und seine einstige Größe zurückgeben. Unterstützt und eingesetzt von der Heiligen Kirche verspricht er, an der Seite eines gesetzgebenden Senats die Rechte des Volkes zu schützen. Doch der Adel hat sich dem neuen politischen System und seinem Vertreter nur zum Schein untergeordnet. Ein erster Attentatsversuch der Nobili scheitert, den Attentätern droht die Todesstrafe. Adriano, Sohn eines der Verschwörer und der Geliebte der Schwester Rienzis, gerät zwischen die Fronten. Er bittet Rienzi um Gnade für den Vater. Der wirbt schließlich beim Volk dafür, seine Entscheidung, die Attentäter am Leben zu lassen, mitzutragen und wendet so die Todesstrafe ab. Doch der Frieden hält nur kurz. Den Treueschwur, den Rienzi den begnadigten Nobili abverlangt, brechen sie und zetteln neue Unruhen an, die diesmal nur mit hohem Blutzoll auf beiden Seiten niedergeschlagen werden können. Die Loyalität des Volkes zu seinem Tribun bröckelt. Als Rienzi den Machtanspruch Roms über die Grenzen der Stadt hinaus ausweiten will, wendet sich die Kirche von ihm ab. Damit ist der Damm gebrochen, der Retter wird zum Sündenbock. Das Volk ruft zur Steinigung und Verbrennung ihres einstigen Hoffnungsträgers auf. Vor seinem Tod verflucht Rienzi Rom und droht, es mit sich in den Untergang zu reißen.
Mit "Rienzi", seiner vierten Oper, war Wagner der Durchbruch gelungen. Lange ein geradezu populäres Werk, verschwand es nach dem 2. Weltkrieg beinahe völlig von den Spielplänen. Hitler selber hatte in der Gestalt des Titelhelden enge Bezüge zu seiner eigenen bereits gelebten, aber auch der geplanten Biografie ausgemacht und eine von ihm 1906 (oder 1907) in Linz besuchte Aufführung geradezu als Initialzündung für künftiges Wirken gedeutet. Die Nachwelt distanzierte sich von diesem Werk, da auch sie nicht umhin konnte, diese Parallelen zu erkennen, die sich allerdings weniger in biografischen Details manifestieren als in gemeinsamen sprachlichen Topoi, einem umfangreichen Macht- und Erlösungsanspruch und einem Gewaltpotential, das schnell in einen grenzenlosen Zerstörungswillen umzuschlagen droht.
"Rienzi" fußt musikalisch und thematisch noch in der Tradition der französischen Grand opéra, die er allerdings sowohl klanglich als auch inhaltlich übertreffen und überwinden möchte. Die romantische Vorstellung des einsamen, übermenschlichen Helden, der am Unverständnis der Welt zugrunde geht, ist in "Rienzi" bereits angelegt. Sie bildet die Keimzelle für den von Wagner in seinem späteren Werk entfalteten, am Menschen geschulten, dann mythisch überhöhten Kosmos.
Musikalische Leitung: Sebastian Lang-Lessing Inszenierung: Philipp Stölzl (2010) Bühne: Ulrike Siegrist / Philipp Stölzl
"Stölzls Bedürfnis, jene Verwicklung des Werks ins faschistische Unheil zu zeigen, ist nur zu verständlich. Also siedelt er das Stück über Aufstieg und Fall eines charismatischen Rhetorikers in einem totalitären Regime an, macht aus Rienzi einen Diktator, der sich zwar spektakulär vor den Massen produzieren kann, im Krieg aber versagt und sich vor der Realität in einen Bunker verschanzt. (Berliner Zeitung)
"Ob Richard Wagners frühe Oper RIENZI einem Missbrauch zum Opfer fiel, als Adolf Hitler sie zu seiner Lieblingsoper erkor, oder ob es sich dabei um eine rezeptgerechte Anwendung handelte, ist das Thema von Philipp Stölzls Inszenierung, die am Sonntag an der Deutschen Oper Berlin Premiere hatte. Stölzls Antwort ist unumwunden: RIENZI ist in seiner Lesart - angefangen bei der übergreifenden Dramaturgie bis hinein ins sprachliche Detail - das Modell für Hitlers biographischen und politischen Entwurf. Man könnte Stölzl den Mangel an Differenzierung, den Unwillen, die Kunst zu retten, mit allerlei guten Gründen zum Vorwurf machen. Aber sein Verzicht auf Halbherzigkeit, auf sparsam-verklemmte Gedenkkulturabgaben anderer Regisseure, ist doch erfrischend. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
"Stölzl erblickt in Hitlers Lieblingsoper das affirmative Porträt eines Diktators. Unterstellt aber gerade damit dem Werk ein Maß an Protofaschismus, das mir falsch erscheint. Nur setzt Stölzl seine diskussionsbedürftige These mit so viel Zugkraft und Bildwirksamkeit in die Tat um, dass man den Vorstoß doch honoriert." (RBB - Kulturradio)
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