Mit öffentlicher Diskussion
Drei neue Stücke aus Ägypten von Zeinab Magdy, Hatem
Hafez und Dina Soliman
Beginn: 12.30 Uhr
Traumfabrik im Theaterkino
12.30 Lesung Rivo-loo-shun von Zeinab Magdy
14.00 Lesung Angst von Hatem Hafez
15.30 Lesung A‘raies von Dina Soliman
Rivo-loo-shun von Zeinab Magdy
Lesung um 12.30, Traumfabrik, anschließend
Publikumsgespräch
Dunia sitzt vor ihrem PC, vor der virtuellen Welt, als die
Demonstrationen vom 25. Januar 2011 ausbrechen. Sie will auf den Platz,
unter die Leute, aber ihre Mutter verbietet es ihr – dass sie
selbst früher einmal im Gefängnis gesessen hat,
prägt ihre jetzt abweisende Haltung zu öffentlichem
Protest nachhaltig. Irgendwann, die Revolution findet im Hintergrund
statt, muss Dunia feststellen, dass die Umstürze nicht nur
politisches Großereignis sind, sondern sie auch dazu zwingen,
sich mit ihrem Leben und ihrem Lebensentwurf auseinanderzusetzen. So
muss sie die Beziehungen zu ihrer Mutter und zu ihrem Freund neu
definieren. Das Stück diskutiert, ob es in Zeiten des Aufruhrs
noch einen Unterschied zwischen privaten und politischen
Ansprüchen und Verhaltensweisen gibt. Und: Darf man freudig
Anteil nehmen daran, dass Mubarak schließlich
zurückgetreten ist, auch wenn man selbst nicht auf der
Straße dafür demonstriert und sich eingesetzt hat?
Anmerkung zum Titel: In Ägypten ist Rivo eine bekannte
Tablette gegen Kopfschmerzen!
Zeinab Magdy, geboren 1988, hat Anglistik studiert und ist zurzeit an
der Universität Kairo als Dozentin für Arabische
sowie Englische Literatur tätig. Zudem arbeitet sie als freie
Schauspielerin. Rivo-loo-shun ist ihr erstes Theaterstück.
Angst von Hatem Hafez
Lesung um 14 Uhr, Traumfabrik, anschließend
Publikumsgespräch
Eine Eilmeldung in den Medien: »Als die Polizei heute einen
Mann verfolgte, der zuvor einen Soldaten ermordet hatte, erschoss
dieser mithilfe seiner Geliebten und eines Freundes einen
Geschäftsmann, der wohl zur falschen Zeit am falschen Ort war.
Der Mann, so Polizeiangaben, sei seit fünf Jahren in
psychiatrischer Behandlung. In einem Exklusivinterview gab die Mutter
des Täters an, sie habe ohnehin eine Anzeige gegen ihren Sohn
aufgeben wollen, da er ihr gegenüber in letzter Zeit immer
aggressiver geworden sei.« Das Stück zeigt die
Diskrepanz von Wirklichkeit, Berichterstattung und
Subjektivität auf. Hinterfragen Sie die Nachrichten oder
glauben Sie vorbehaltlos alles, was in den Medien erzählt
wird? Steckt hinter jeder Nachricht vielleicht ein tieferer,
verborgener Sinn? Sollte man nicht immer zwischen den Zeilen lesen?
Hatem Hafez, geboren 1974, hat Pädagogik, Theater und Kunst
studiert. Er schreibt für diverse Zeitungen und verfasst
Theaterstücke, für die er bereits etliche Preise
gewonnen hat. Daneben arbeitet Hatem Hafez als Dozent für
Theaterkritik.
A'raies von Dina Soliman
Lesung um 15.30 Uhr, Traumfabrik, anschließend
Publikumsgespräch
Das arabische Wort »A’raies« kann
unterschiedliche Bedeutungen haben: Die Mehrzahl von Braut oder Puppen
oder junge Frauen. Doch was haben Schaufensterpuppen mit Meerjungfrauen
und jungen Damen gemein? Und was unterscheidet sie voneinander? Dina
Soliman verknüpft die verschiedenen Bedeutungsebenen, indem
sie uns in die wundersame Welt der
»A’raies« mitnimmt. Zehn junge Frauen,
die immer wieder unterschiedliche Facetten zeigen und unterschiedliche
Charaktere verkörpern, erzählen uns von ihrem
Körper, ihrer weiblichen Sexualität und ihrem
Verhältnis zu Männern. Der Text ist kreativ und
intensiv. Traurig und befreiend. Die Figuren müssen am Schluss
des Stückes ihren Weg selbst finden und alleine meistern.
Schaff en sie das, und wie? Und: Sind die Probleme, Wünsche
und Ängste der Frauen in Ägypten wirklich so viel
anders als in anderen Ländern und Kulturen?
Dina Soliman, geboren 1987, hat 2009 ihr Grafik-Studium abgeschlossen.
Neben Theaterstücken wie Wie es kommt und Löwendame
hat sie auch die Erzählreihe Selbst-Anzünder sowie
diverse Folgen für den Hörfunk verfasst.
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