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Die Dreigroschenoper

 
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Hessisches Landestheater Marburg   Google-News
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Spielzeit2012/2013 
UntertitelEin Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern Von Bertolt Brecht Nach John Gays „The Beggar’s Opera“ Übersetzt aus dem Englischen von Elisabeth Hauptmann Musik von Kurt Weill  
SparteSchauspiel 
Foto
Quelle: www.theater-marburg.com 
InhaltVom Publikum geliebt, von den Kritikern gescholten: Schon bei seiner Uraufführung 1928 spaltete Brechts erfolgreichstes Werk die Gemüter. Matthias Faltz zeigt in seiner Inszenierung die bekannte Parabel aus dem Gangstermilieu in ihrer Aktualität.

Das Gesetz der Straße
von Alexander Leiffheidt

Im Allgemeinen ist es die Figur des Macheath, die uns als Zuschauer der „Dreigroschenoper“ am meisten fasziniert: ein skrupelloser, charmanter Mordkünstler. Aber Macheath ist ein Auslaufmodell.
Peachum gegen Macheath: Das ist der Konflikt des Fabrikanten gegen den Heimarbeiter, verlagert ins Berufsverbrechermilieu. Dass in der organisierten Kriminalität die Gesetze des Marktes gelten, bedarf keiner Belege. Aber um Peachum und Macheath geht es in der „Dreigroschenoper “ nur vordergründig. Der eigentliche Protagonist Brechts ist die Masse: das Heer der Bettler. John Gay, dessen „Beggar’s Opera“ von 1728 Brecht als Vorlage diente, kannte deren Elend gut. Das London des 18. und 19. Jahrhunderts war ein Schmutzhaufen; die Lebensbedingungen in den Slums waren unvorstellbar schlecht. Im Gegensatz dazu ist das London Brechts imaginär, eine ,Zusammenziehung von Epochen’, wie Walter Benjamin schrieb. In welcher Zeit seine Oper spielt, ist somit gleichgültig – solange es das Heute ist. Der entscheidende Unterschied: Gay karikierte die Mächtigen seiner Zeit. Brecht richtet sich an die Machtlosen der unseren.
Dass sich die Ausgestoßenen zum Bettlerheer organisieren können, ist übrigens keine Utopie, sondern Realität. London im August 2011: Die ,Prolls’ formieren sich per Blackberry Messenger zum plündernden Mob. Über 100 Läden und Wohnungen werden zerstört, fünf Menschen sterben. Eine Weiterentwicklung, die Brecht interessiert hätte: Wo bei ihm Peachum war, ist nun das digitale Medium. Den ausbeuterischen Organisator brauchten die Plünderer nicht; sie arbeiteten auf eigene Rechnung.
So hässlich also sieht ein Bettlerheer im wahren Leben aus: Verletzte, Wehrlose werden beraubt. Die Unterklasse zerfleischt sich selbst. Aber die Plünderer von 2011 waren ja auch keine Revolutionäre. Sie waren Konsumenten, die in einer bestimmten Situation ihren persönlichen Gewinn ohne Rücksicht auf andere optimierten. Zusammenraffen, was man kann – das ist ein Grundprinzip unserer Gesellschaft. Ein anderes ist eigentlich die Rechtsstaatlichkeit. Doch denken wir an die Spenden-, Spesen- und Boniskandale allein der letzten Jahre. Wenn die Eliten sich öffentlich auf Kosten anderer bereichern, darf der Mob es ihnen nicht gleichtun?
Bei Brecht werden diejenigen, die aus allen gesellschaftlichen Strukturen herausgefallen sind, als organisierte Masse unbesiegbar. In unserer Zeit sorgen die Mechanismen des Wirtschaftssystems dafür, dass die Zahl dieser ,Herausgefallenen’ auf der ganzen Welt beständig steigt – auch in Deutschland. Es entsteht so eine Gesellschaftsschicht, der Konsum permanent als zentraler Lebensinhalt suggeriert wird, die aber zugleich fast vollständig von ihm ausgeschlossen ist. Was da fehlt, ist nur noch ein globaler Peachum.

Team
Regie: Matthias Faltz
Musikalische Leitung: Michael Lohmann
Video: Philipp Karau, Stephanie Kayß
Bühne: Leopold Udland, Lars Herzig
Kostüme: Mascha Schubert  
Premieredatum31.08.2012 
Ab Alter
Programmheft URLhttp://theater-marburg.com/tm/Spielplan/Stuecke/195 

Programm Macher:

NameFunktionSpielzeit
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Detaildaten Programm Autoren:

NameAutorenschaftSpielzeit
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Detaildaten Programm Personen :

NameRolleSpielzeit
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Rezensionen Programm :

Rezension
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