Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern Von Bertolt Brecht Nach John Gays „The Beggar’s Opera“ Übersetzt aus dem Englischen von Elisabeth Hauptmann Musik von Kurt Weill
Sparte
Schauspiel
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Quelle: www.theater-marburg.com
Inhalt
Vom Publikum geliebt, von den Kritikern gescholten: Schon bei seiner
Uraufführung 1928 spaltete Brechts erfolgreichstes Werk die
Gemüter. Matthias Faltz zeigt in seiner Inszenierung die
bekannte Parabel aus dem Gangstermilieu in ihrer Aktualität.
Das Gesetz der Straße
von Alexander Leiffheidt
Im Allgemeinen ist es die Figur des Macheath, die uns als Zuschauer der
„Dreigroschenoper“ am meisten fasziniert: ein
skrupelloser, charmanter Mordkünstler. Aber Macheath ist ein
Auslaufmodell.
Peachum gegen Macheath: Das ist der Konflikt des Fabrikanten gegen den
Heimarbeiter, verlagert ins Berufsverbrechermilieu. Dass in der
organisierten Kriminalität die Gesetze des Marktes gelten,
bedarf keiner Belege. Aber um Peachum und Macheath geht es in der
„Dreigroschenoper “ nur vordergründig. Der
eigentliche Protagonist Brechts ist die Masse: das Heer der Bettler.
John Gay, dessen „Beggar’s Opera“ von
1728 Brecht als Vorlage diente, kannte deren Elend gut. Das London des
18. und 19. Jahrhunderts war ein Schmutzhaufen; die Lebensbedingungen
in den Slums waren unvorstellbar schlecht. Im Gegensatz dazu ist das
London Brechts imaginär, eine ,Zusammenziehung von
Epochen’, wie Walter Benjamin schrieb. In welcher Zeit seine
Oper spielt, ist somit gleichgültig – solange es das
Heute ist. Der entscheidende Unterschied: Gay karikierte die
Mächtigen seiner Zeit. Brecht richtet sich an die Machtlosen
der unseren.
Dass sich die Ausgestoßenen zum Bettlerheer organisieren
können, ist übrigens keine Utopie, sondern
Realität. London im August 2011: Die ,Prolls’
formieren sich per Blackberry Messenger zum plündernden Mob.
Über 100 Läden und Wohnungen werden
zerstört, fünf Menschen sterben. Eine
Weiterentwicklung, die Brecht interessiert hätte: Wo bei ihm
Peachum war, ist nun das digitale Medium. Den ausbeuterischen
Organisator brauchten die Plünderer nicht; sie arbeiteten auf
eigene Rechnung.
So hässlich also sieht ein Bettlerheer im wahren Leben aus:
Verletzte, Wehrlose werden beraubt. Die Unterklasse zerfleischt sich
selbst. Aber die Plünderer von 2011 waren ja auch keine
Revolutionäre. Sie waren Konsumenten, die in einer bestimmten
Situation ihren persönlichen Gewinn ohne Rücksicht
auf andere optimierten. Zusammenraffen, was man kann – das
ist ein Grundprinzip unserer Gesellschaft. Ein anderes ist eigentlich
die Rechtsstaatlichkeit. Doch denken wir an die Spenden-, Spesen- und
Boniskandale allein der letzten Jahre. Wenn die Eliten sich
öffentlich auf Kosten anderer bereichern, darf der Mob es
ihnen nicht gleichtun?
Bei Brecht werden diejenigen, die aus allen gesellschaftlichen
Strukturen herausgefallen sind, als organisierte Masse unbesiegbar. In
unserer Zeit sorgen die Mechanismen des Wirtschaftssystems
dafür, dass die Zahl dieser ,Herausgefallenen’ auf
der ganzen Welt beständig steigt – auch in
Deutschland. Es entsteht so eine Gesellschaftsschicht, der Konsum
permanent als zentraler Lebensinhalt suggeriert wird, die aber zugleich
fast vollständig von ihm ausgeschlossen ist. Was da fehlt, ist
nur noch ein globaler Peachum.
Team
Regie: Matthias Faltz
Musikalische Leitung: Michael Lohmann
Video: Philipp Karau, Stephanie Kayß
Bühne: Leopold Udland, Lars Herzig
Kostüme: Mascha Schubert
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