Foto: Ramon Haindl
Quelle: www.theater-marburg.com
Inhalt
Im Fernsehen haben sie heute gesagt: Es wird nicht besser. Es wird
vielmehr immer schlimmer werden. Wirtschaft, Arbeitsplätze und
alles. Harte Jahre liegen vor uns. Dankeschön.
Plötzlich haben die gemerkt, dass das Ganze ein Irrtum ist.
Die Sendung war von vor acht Jahren. Na, habe ich gedacht, na, dann ist
doch alles gut. Dann kam die aktuelle Sendung. Es wurde berichtet: Es
wird nicht besser. Es wird vielmehr immer schlimmer werden. Wirtschaft,
Arbeitsplätze und alles. Harte Jahre liegen vor uns. (Aus der
Mitte der Gesellschaft)
Sie sind viele. Sie sind gut ausgebildet, haben 1,37 Kinder und kleiden
sich durchschnittlich. Sie sind engagiert, aber zynisch, sie sind satt,
aber unzufrieden und leben wohlhabend auf Kredit. Sie schreiben
Einkaufszettel: Joghurt, Saft/Tomaten, aber nicht aus Holland/Wein,
Bier/Und eine gute Perspektive. Das ist sie also – die Mitte
der Gesellschaft. Doch woher kommt all die Frustration und warum ist es
eigentlich so schwierig, glücklich zu sein? Oder liegt
Zufriedenheit gar nicht im Wesen des Menschen? Ist
Nächstenliebe eine Fehlfunktion im Gehirn? Und wohin sind
eigentlich die Ideale verschwunden? Was ist mit dem gesellschaftlichen
Wandel? Müsste sich da nicht mal jemand drum kümmern?
Stimmen treten heraus aus der Mitte der Gesellschaft, werden zum
Sprachrohr für so viele, stellen Fragen und verschwinden dann
wieder dorthin, wo sie herkamen, in eine undefinierbare Mitte. Der
kurze Moment der Individuation und Reflexion steht stellvertretend
für eine ganze Generation der Suchenden nach dem richtigen
Leben. Und immer wieder ist da diese Angst, die Angst vor der
schleichenden Normalität. Bloß nicht unter den
Durchschnitt fallen, den Standard halten und am besten noch etwas
daraufsetzen. Ein Leben ohne Auto oder Computer –
unvorstellbar! Es gilt immer up-to-date zu sein, sich ständig
zu aktualisieren, sich neu zu erfinden. „Aus der Mitte der
Gesellschaft” ist eine sprachgewaltige Reflexion
über die deutsche Mittelschicht der 2010er Jahre.
Absurd-poetisch werden das Selbstverständnis und die Zukunft
der größten Gesellschaftsschicht hinterfragt.
Autor
Marc Becker begann bereits während seines Studiums der
Theaterwissenschaft zu inszenieren und zu schreiben, u.a. die
Szenenfolge „US AMOK”. 2004 wurde er für
seine Macbeth-Inszenierung am Theater Erlangen bei den Bayerischen
Theatertagen ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde sein
Fußballkrimi „Wir im Finale” zu den
Mülheimer Theatertagen eingeladen, sein Stück
„Margot und Hannelore” erhielt den Impulse-Preis.
Seither sind gut ein Dutzend weitere Theaterstücke entstanden,
die Marc Becker zum Teil auch selbst inszeniert, wie beispielsweise die
Uraufführung von „Aus der Mitte der
Gesellschaft” 2011 am Oldenburgischen Staatstheater. Marc
Becker schreibt und inszeniert u.a. in Heidelberg,
Groningen und Oldenburg, wo er Hausregisseur und -autor ist.
Team
Regie: Marc Wortel
Bühne: Christian Wordin
Kostüme: Renske Kraakman
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