Harold Pinter im Theaterportal
Harold Pinter im Theaterportal
War es im Jahre 2004 Elfriede Jelinek, die - für
manche
überraschend - den Nobelpreis für Literatur
zuerkannt
bekommen hat, so ist es 2005 erneut ein Schriftsteller, der vor allem
in der literarischen Gattung des Dramas zu Hause ist. Man kann die
Entscheidung aus Stockholm in verschiedenen Richtungen deuten. Mit
Pinter wurde ein erbitterter, zeitweise polemischer Gegner der
Außenpolitik der USA geehrt, vor allem aber auch ein
Dramatiker.
Die Jury in Stockholm scheint damit auf die gesellschaftliche Relevanz
des Theaters hinzuweisen. Das ist besonders in einer Zeit, da
über
Theater mehr und mehr als Kostenverursacher gesprochen wird,
interessant. Theater ist kein Wirtschaftsbetrieb, Theater rentiert sich
nicht finanziell, mit Theater werden keine materiellen Werte
geschaffen, Theater ist volkswirtschaftlicher Unfug. Der Wert des
Theaters liegt anderswo. Theater kann Kommunikation anregen, kann
problematisieren, aufrütteln, beruhigen, trösten.
Theater
kann gesellschaftliche Schwingungen aufnehmen und formulieren. Theater
kann der Ort sein, an dem die Menschen mit sich selbst über
sich
selbst sprechen, und sich so selbst erkennen. Das
Nobelpreiskommitee scheint darauf hinzuweisen.
Wir haben für Sie einen kleinen Pinter-Katalog
zusammengestellt. Sie finden bei uns wissenswertes über Leben
und
Werk, Links zu allen Pinterpremieren im Theaterportal, Buchempfehlungen
und noch einiges mehr.
Lassen Sie sich überraschen.
Inhaltsangabe
HaroldPinter.org
Mit
einem Klick gelangen Sie zur
offiziellen
Homepage
von Harold Pinter. Die Seite ist sehr umfangreich und
übersichtlich und - natürlich - in englischer
Sprache. Sie
finden hier eine ausführliche Zusammenfassung von Pinters
Arbeiten, angefangen bei den Theaterstücken mit Informationen
zu
ausgewählten Aufführungen inklusive Kritiken,
über
Drehbücher, Regiearbeiten, Lyrik, Prosa,
außerdem eine
Liste der Publikationen von und über Pinter mit ISBN-Nummer,
und
nicht zuletzt Informationen zu Pinters Engagement im Cricketclub.
Harold Pinter
aus Wikipedia, der freien
Enzyklopädie
Pinter hat für
Theater,
Hörfunk,
Fernsehen
und
Kinofilme
geschrieben. Viele seiner frühen Werke werden zum
Absurden Theater
gezählt.
Leben und Werk
Pinter wurde als Sohn eines jüdischen Schneiders
in Hackney, London,
geboren und wuchs in der proletarisch geprägten Londoner East
End auf. Er studierte kurz an der Royal Academy of
Dramatic Art (RADA). Als junger Mann veröffentlichte
er Poesie und schauspielte am Theater.
Sein erstes Theaterstück, The Room - Das
Zimmer, schrieb er 1957.
Im gleichen Jahr begann er mit der Arbeit an The Birthday
Party - Die Geburtstagsfeier, das jedoch
kein Erfolg wurde, obwohl es von der Sunday Times
gelobt wurde. Seinen Durchbruch schaffte er mit dem Stück The
Caretaker - Der Hausmeister, welches 1960
uraufgeführt wurde. Umstritten ist, ob die Undeutlichkeit und
Undurchschaubarkeit der Welt in Pinters Theatertexten schon Grund genug
ist, die Werke dieses Autors dem sogenannten absurden Theater
zuzurechnen. Zumindest ließe sich einwenden, dass absurd
nicht die
Stücke sind, sondern die Umstände, in denen die
Figuren leben. Gerade
die berühmten früheren Arbeiten Pinters sind
gesättigt mit Realität,
geben Einblick in ärmliche, geradezu rudimentäre
Existenzverhältnisse.
Oft wissen die Pinter-Menschen selbst nicht, was für Motiven
sie folgen
wollen. Die letzten Sätze des alten Davies, der sich im "Hausmeister"
in die Geborgenheit des fremden Zimmers gedrängt hat,
verraten, wie
wenig Selbstgewissheit auch dem Sieger im Zweikampf geblieben ist: "Was
soll ich machen? Wo soll ich hin?"
Erst in fortgeschrittenem Alter ist Harold Pinter auch offen
politisch geworden. 1985 reiste er zusammen mit dem
amerikanischen Dramatiker Arthur Miller in die Türkei,
wo sie Opfer der politischen Unterdrückung trafen. Pinters
Erfahrung in der Türkei und mit der Unterdrückung der
kurdischen Sprache
inspirierten ihn zu seinem Theaterstück von 1988,
Mountain
Language - Bergessprache. Seine
öffentliche Verteidigung des jugoslawischen Ex-Diktators Slobodan Milosevic
sorgte für internationale Kritik.
Pinter engagierte sich auch in den Kampagnen gegen den Irakkrieg.
Mit der Begründung, dass er „in
seinen Dramen den Abgrund unter
dem alltäglichen Geschwätz freilegt und in den
geschlossenen Raum der
Unterdrückung einbricht“, wurde ihm am 13.
Oktober 2005 der Nobelpreis für
Literatur für das Jahr 2005 zuerkannt. Dies war
für die Literaturwelt wie auch schon bei Elfriede Jelinek im Jahr
zuvor eine Überraschung. Die Meinungen schlugen munter hin und
her zwischen "Eine gute, richtige Entscheidung" (Marcel Reich-Ranicki)
und "Beleidigung für die Weltliteratur" (Denis Scheck). Die
raffinierteste Formulierung steuerte Sigrid Löffler
bei, die meinte, der Preisträger sei doch "demodé",
also nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Drei Jahrzehnte liegt
das Werk zurück, mit dem er Theaterfurore gemacht hat.
Im Oktober 2005 erhielt Pinter von der Franz-Kafka-Gesellschaft mit
Sitz in Prag den jährlich verliehenen Franz-Kafka-Preis. Da er
wegen Gesundheitsproblemen nicht persönlich nach Prag kommen
konnte, nahm in seiner Vertetung sein Freund Vaclav Havel den Preis
entgegen.
Arbeit an Filmen
Sein erstes Drehbuch, The Servant,
schrieb Pinter 1963. Später schrieb er
Drehbücher u. a. für The Go-Between,
The French Lieutenant's Woman (1981),
Turtle Diary (1985),
nach dem Roman von Russell Hoban, The
Handmaid's Tale (1990),
The Trial (1993),
nach dem Roman "Der Prozess" von Franz Kafka. Er
veröffentlichte auch ein Drehbuch zu Marcel Prousts Auf der Suche
nach der verlorenen Zeit, welches allerdings nie
verfilmt wurde. Einige von Pinters Stücken wurden ebenfalls
für das Kino adaptiert: The Caretaker (1963),
The Birthday Party (1968),
The Homecoming (1973)
und Betrayal (1983).
Gelegentlich übernahm er auch Filmrollen (in The
Servant 1963, Accident 1967,
Turtle Diary 1985).
Pinter in den Schlagzeilen
1977 geriet Pinter in die
Schlagzeilen, als er seine Frau, die Schauspielerin Vivien Merchant,
die er 1956 geheiratet hatte, für
Lady Antonia Fraser
verließ, die älteste Tochter des 7. Lord Longford.
Das Paar heirate 1980 nach Pinters Scheidung. Sein
Stück Betrayal (dt.: Betrug) von 1978
wurde verschiedentlich als Darstellung dieser Liasion gelesen; es
basiert allerdings auf einer früheren Affäre, die
Pinter für sieben
Jahre mit Joan Bakewell,
einer Fernsehmoderatorin, verband.
Später machte ein öffentlicher Streit mit
Theaterregisseur Peter Hall Furore, der Pinter
in seinen Tagebüchern, die 1983
erschienen, als notorischen Trinker darstellt. Die beiden
Männer
konnten ihr freundschaftliches Verhältnis allerdings wieder
herstellen.
Pinter ist auch ein großer Fan der englischen
Nationalsportart Cricket. Er ist Vorsitzender des Gaieties
Cricket Club.
Schließlich geriet Pinter in die Schlagzeilen, weil
er den US-Präsidenten George W. Bush im
Zusammenhang mit dem Irakkrieg einen Massenmörder und Tony Blair einen armen Irren ("deluded
idiot") nannte.
Theaterstücke
- The Room (1957)
- The Birthday Party (1957)
- The Dumb Waiter
(1957)
- A Slight Ache (1958)
- The Hothouse (1958)
- The Caretaker (1959)
- Sketches (1959)
- The Black and White
- Trouble in the Works
- Last to Go
- Request Stop
- Special Offer
- That's Your Trouble
- That's All
- Interview
- Applicant
- Dialogue Three
- A Night Out (1959)
- Night School (1960)
- The Dwarfs (1960)
- The Collection (1961)
- The Lover (1962)
- Tea Party (1964)
- The Homecoming (1964)
- The Basement (1966)
- Landscape (1967)
- Silence (1968)
- Sketch: Night (1969)
- Old Times (1970)
- Monologue (1972)
- No Man's Land (1974)
- Betrayal (1978)
- Family Voices (1980)
- Victoria Station (1982)
- A Kind of Alaska (1982)
- Sketch: Precisely (1983)
- One For the Road (1984)
- Mountain
Language (1988)
- The New World Order (1991)
- Party Time (1991)
- Moonlight (1993)
- Ashes to Ashes (1996)
- Celebration (1999)
- Sketch: Press Conference (2002)
Prosa
- Kullus (1949)
- The Dwarfs (1952-56)
- Latest Reports from the Stock Exchange
(1953)
- The Black and White (1954-55)
- The Examination (1955)
- Tea Party (1963)
- The Coast (1975)
- Problem (1976)
- Lola (1977)
- Short Story (1995)
- Girls (1995)
- Sorry About This (1999)
- God's District (1997)
- Tess (2000)
- Voices in the Tunnel (2001)
Dieser
Artikel basiert auf:
Artikel
Harold Pinter. In: Wikipedia, Die freie
Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Dezember 2005, 06:23
UTC.
Nobelpreisrede
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Buchempfehlungen
- Martin Esslin: Harold Pinter. (Orignal
unter dem Titel: The peopled wound. The plays of Harold Pinter)
- Heinz Höller: Schnauzer und Pinter. Ein
Vergleich. (1986)
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