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Virtuelle Spielorte Das Theaterportal will eine flächendeckende Datenbank für Sprech- und Musiktheaterbühnen aufbauen Von Andrea Pollmeier Das World-Wide-Web soll jetzt auch dem Theater- und Opernpublikum das Leben leichter machen. Per Mausklick können sie nun zwischen Wien und Berlin knapp 500 Städte anwählen und bei 1300 Spielstätten der deutschsprachigen Theater- und Musikszene nach Künstlern und Lieblingsstücken suchen.
Entwickelt wurde das neue Internetportal von sieben Spezialisten aus der Software-, Marketing- und Theaterbranche, die das Internet als Informations- und Marketing-Medium langfristig für alle Sparten der Darstellenden Kunst nutzbar machen wollen.
"Kunst muss nicht gerettet, sondern gefunden werden", erklärt Gerhard Brunnbauer die Hauptaufgabe der neuen Datenbank. Der Marketing-Profi betreut seit März das Frankfurter Büro des Unternehmens. Neben ihm vertreten Geschäftsführer Rainer Glaap in Darmstadt und Regisseur Kai Festersen in Berlin die Firma.
Im Theaterportal soll jeder navigieren wie in einem Lexikon. Wer ein bestimmtes Theaterstück sucht, gezielt einen Schauspieler sehen möchte oder zur Wochenendreise eine interessante Abendveranstaltung plant, kann mit dem passenden Stichwort die Suche starten. Die gewünschten Spielplanlisten werden dann jeweils mit Datum und Spielort angezeigt. "Je mehr Veranstalter registriert sind, um so größer ist die Trefferquote," erklärt Gerhard Brunnbauer. Seit Wochen habe man daher in den großen Kulturregionen Berlin, Rhein-Main, Hamburg und München über 15 000 Bühnenveranstaltungen erfasst.
In Frankfurt haben sich bereits das Schauspiel sowie die freien Gruppen Grüne Soße, Traumtänzer und das Papageno-Theater der neu eröffneten Datenbank angeschlossen. Unter der Internet-Adresse www.theaterportal.de sind ihre Spielpläne, Besetzungslisten, Adressen und Stückinhalte seit Monatsbeginn abrufbar. Lästiges Suchen nach vergrabenen Spielplänen gehört damit der Vergangenheit an. Portal-Nutzer können kostenfrei die teilnehmenden Theater auf ihrem Bildschirm anklicken und sich per Detailsuche sogar über Inhalt und Resonanz der Stücke informieren.
"Wir freuen uns über diese in ihrer Kombination bisher einzigartige Datenbank und wollen sie als Ergänzung zu unserem eigenen Internet-Angebot nutzen", erklärt Frank Richard Dedanwala, Pressesprecher des Schauspiels Frankfurt. Das Schauspiel unterstützt damit ebenso wie das Staatstheater Darmstadt das Ziel, unter dem Motto "Alle Stücke. Alle Bühnen. Alle Städte" Spielpläne und Internet-Zugänge deutschsprachiger Theater von einem zentralen Portal aus abrufbar zu machen.
Diese Teilnahme ist für die Theater zunächst ohne Risiko. Denn in der Anlaufphase dürfen sie ein Jahr kostenfrei per e-mail oder online Spielplan-Abläufe, Stück-Informationen und Besetzungslisten an die Betreiber liefern. In automatisierten Vorgängen lesen diese die Daten in die Datenbank ein.
"Diese Erfassungstechnologie ist noch Neuland", erklärt Software-Spezialist Rainer Glaap. "Wir sind angetreten, die komplexen Systeme des Theaters mit dieser neuen Technik zu erfassen und sie dann sinnvoll abzubilden. Die Staatsoper Hannover gibt beispielsweise die Spielplandaten ausschließlich an uns. Wir bereiten sie technisch so auf, dass die Daten später nur noch per Knopfdruck weiterverteilt werden müssen. Veranstaltungskalender, Zeitungen und die Homepage der Oper werden so nur noch aus einer Quelle gespeist, alle Daten sind mühelos aufeinander abstimmbar." Zur Angebots-Palette des Theaterportals gehört auch der Online-Verkauf von Theaterkarten. Über standardisierte Zahlungssysteme, wie sie im online-Banking üblich sind, können Theaterkarten vom eigenen Computer aus gekauft und direkt ausgedruckt werden. Bisher nutzt nur die Wacker-Bühne bei Darmstadt dieses Angebot, doch auch das Frankfurter Schauspiel, die Oper Hannover und rund vierzig weitere Bühnen diskutieren bereits diese Option. Geplant sei, so Gerhard Brunnbauer, die Datenbank mit Kulturlexika und Rezensions-Archiven zu verknüpfen, so dass man auch über weiteres Material wie Werkgeschichten, Biographien und Aufführungskritiken verfügen könne.
Diese Optionen sind jedoch noch Zukunftsmusik. Wer eine Woche nach Startbeginn das Theaterportal nutzt, kann dort meist nur per Stadtangabe Zugang zum gesuchten Theater finden. Dort aber sind dann die Spielpläne chronologisch erfasst, Adressen, Telefonnummern und Kassenzeiten gelistet und Links zur Theater-Homepage eingebaut. Wer will, kann hier nach Herzenslust weitersurfen. Einer der Vorteile: niemand muss sich mehr die genaue Website-Adresse eine Theaters notieren. Die zentrale Systematik leitet zielorientiert via Stadt zum Spielplan und den einzelnen Spielstätten.
Überraschungen kann es dennoch geben. Wer in Frankfurt zum Beispiel nach dem Spielort des Theaters Grüne Soße sucht, wird zunächst nach Bornheim in die Löwengasse geführt. Hier liegen zwar Büro und Probebühne, die Aufführungen finden jedoch im Freien Theaterhaus in der Nähe der Konstablerwache statt. Doch auch für diese Sonderfälle haben, so Glaap, die Software-Entwickler bereits eine Lösung in Sicht.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Rundschau. Das Original finden Sie hier.
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